Zwischenruf aus der Praxis

Offene Worte in bewegten und bewegenden Zeiten

Energiemanagement-System

Energie sparen ist wichtig, auch für Unternehmen. Wer würde dieser Aussage widersprechen? Niemand, sollte man annehmen. Ist doch der sparsame Umgang mit Ressourcen eine völlig normale Aufgabe des Unternehmens, um Kosten zu sparen. Doch wie soll das Energiesparen praktiziert werden? Unser Staat hat da eine klare Meinung. Er möchte den Unternehmen vorschreiben, wie sie das tun. Um in den Genuss des so genannten Spitzenausgleichs zu kommen, müssen die Unternehmen ein Energiemanagementsystem aufbauen.

Erinnern wir uns. 1999 wurde die Stromsteuer eingeführt und mit Wirkung ab 2013 geändert. Die Einnahmen aus der Stromsteuer verwendet der Staat zu 90% zur Senkung der Beiträge zur gesetzlichen Rente. Unternehmen, die bei dabei schlecht abschneiden – weil sie relativ viel Energie verbrauchen und wenige Mitarbeiter haben, also viel Stromsteuer zahlen und wenig von der Senkung der Rentenbeiträge profitieren – können durch den Spitzenausgleich entlastet werden, aber nur wenn sie ein Energiemanagementsystem einführen und sich von akkreditierten Auditoren zertifizieren lassen.


Das Energiemanagement ist genau geregelt. Denn es ist durch eine internationale Norm definiert, die ISO 50001. Darin wird detailliert vorgeschrieben, wie das Unternehmen Energie sparen muss. Es wird geregelt, wie die strategischen und operativen Ziele zu definieren sind, wie die Maßnahmenpläne zu gestalten sind, und ebenso die Planung, die Umsetzung und das Betreiben des Systems, das Überwachen und Messen von Anlagen. Die Dokumentations-pflichten sind erheblich. Wer die Zertifizierung in der Praxis erlebt, empfindet sie als ziemlich formalistisch und bürokratisch. Es wird mehr gefragt „Werden Maßnahmen definiert?“ als „Wie sinnvoll sind die Maßnahmen, die definiert werden?“. Nun, gewiss ist auch etliches Sinnvolles dabei, das will ich nicht abstreiten. Es gibt aber viele Ungewissheiten. Wie soll man ein Energie-Einsparungsziel für das nächste Jahr objektiv definieren? Was heißt -1,5%? Bei dem einen Unternehmen wächst der Umsatz, beim anderen sinkt er. Wenn ein Unter-nehmen mehrere, unterschiedlich energieintensive Produkte fertigt, wie berücksichtigt man dann im Wert für das Gesamtunternehmens die veränderte Anteile der Produkte am Umsatz? Fragen über Fragen. Wer mit dem Thema nicht vertraut ist – und das sind viele – kann übrigens Berater engagieren, die sich in der Auditierung auskennen, evtl. weil sie selber Auditoren sind.


Die Auditoren und das Zertifizierungsaudit kosten einiges an Geld, auch erheblicher interner Aufwand fällt an: für Energiemanagement-Beauftragte, interne Audits, Schulungen, Freistellungen und anderes mehr. Ein mittleres Unternehmen ist da schnell bei 20.000 € bis 30.000 € Gesamtkosten im Jahr. Zwar gibt es für kleine Unternehmen ein vereinfachtes Verfahren, doch die volkswirtschaftlichen Kosten des Energiemanagementsystems liegen gewiss bei mehreren 10 Millionen €.

 

Mittlerweile ist ein zertifiziertes Energiemanagementsystem auch für die Entlastung bei der EEG-Umlage Voraussetzung. Das Bedenkliche am Energiemanagement ist, dass der Staat den Unternehmen unter Androhung, den Spitzenausgleich zu verpassen, vorschreibt, wie sie ihre Arbeit zu machen haben und dass sie sich zertifizieren lassen müssen. Mag sein, dass Politiker sich gut in der Öffentlichkeit präsentieren können, wenn sie verkünden: „Ich habe diese und jene Maßnahme zum Energiesparen durchgesetzt“. Aber letztlich ist das ein unnötiger Eingriff in die Autonomie der Unternehmen. Mit dem gleichen Recht könnte sich der Staat in das Sparen bei anderen Unternehmensressourcen einmischen und ein entsprechendes Managementsystem plus Auditierung vorschreiben.


Fazit: Jedes Unternehmen wird sich im eigenen Interesse um die effiziente Nutzung der Energie bemühen und braucht nicht den Staat als Nachhilfelehrer. Wenn das Unternehmen externes Know-How  braucht, kann es Berater anheuern. Ein Unternehmen, das seine Hausaufgaben nicht macht, wird im Rahmen unserer Marktwirtschaft sanktioniert, nämlich vom Wettbewerb. Und dabei sollte es bleiben.

Wie sollen wir mit Risiken umgehen?

Unser Leben ist bekanntlich voller Risiken. Wir gehen sehr unterschiedlich mit ihnen um. Manche Risiken nehmen wir bewusst in Kauf, andere Risiken versuchen wir zu reduzieren, noch andere komplett zu vermeiden. Dass wir in unserem Risikoverhalten konsistent sind, kann man getrost bezweifeln.


Den Risiken stehen Chancen oder Nutzen gegenüber. Klassisch ist der Fall in der Geldanlage. Eine deutsche Staatsanleihe ist nahezu risikolos, dafür bekommt man wenig Zinsen, im Moment noch weniger als sonst. Eine Aktie dagegen hat eine deutlich höhere Chance auf Ertrag. Zugleich hat sie ein deutlich höheres Risiko.


Auch der Staat beschäftigt sich mit Risiken. Über zahllose Vorschriften regelt er, wie er mit den Risiken umgeht und wie die Bürger mit den Risiken umzugehen haben. Das Autofahren führt in Deutschland im Jahr zu rund 3.000 Toten, früher waren es deutlich mehr. Dieses „Restrisiko“ nehmen wir in Kauf. Motorradfahren ist 20mal gefährlicher. Auch das ist erlaubt. Von den schon „Risiko-Sportarten“ genannten Freizeitvergnügen wir Gleitschirmfliegen, Fallschirmspringen oder Wingsuit-Fliegen mal ganz abgesehen. Auf der anderen Seite lesen wir, dass Brandschutzbestimmungen immer mehr verschärft werden, mit der Folge, dass öffentliche Bauten immer teurer werden – man denke nur an den geplanten Berliner Flughafen BER – oder Neubauten nicht durchgeführt werden, da die neuen Brandschutzbestimmungen zu nicht-finanzierbaren Mehrkosten führen und man dann lieber beim alten – risikoreicheren – Zustand bleibt.


Um mit den Risiken rational umgehen zu können, müssen wir sie nicht nur kennen, sondern wir müssen sie bewerten können. Es würde ja wenig sinnvoll sein, in dem einen Fall ein hohes Risiko einzugehen und im anderen Fall nur ein geringes Risiko. Aber wie kann man Risiken bewerten und auf diese Weise zu einem stimmigen Risikokonzept kommen?


Schauen wir in die Industrie. Dort gibt es ebenfalls viele Risiken und es gibt eine Methode bei Neuentwicklungen oder Änderungen von Produkten und Prozessen, Fehler früh zu ermitteln und möglichst zu vermeiden. Zu diesem Zweck werden die Risiken systematisch bewertet. Diese Methode heißt „FMEA“, ausgeschrieben „Failure Mode and Effect Analysis“. Dies wur-de ins Deutsche etwas ungelenk übersetzt als „Fehlereinfluss- und -möglichkeitsanalyse“. Das Prinzip ist einfach. Man bewertet zum einen, wie wahrscheinlich es ist, dass das Risiko eintritt, und zum anderen, wie groß seine Auswirkung ist. Aus der Multiplikation der in Zahlen ausgedrückten Ausprägung der beiden Kriterien ergibt sich eine Risiko-Kennzahl.


Wenden wir das auf ein Beispiel aus der Umweltschutzpolitik an. Wenn ein Gefahrstoff A eine hohe schädigende Wirkung auf die Gesundheit hat, muss man durch Maßnahmen, etwa den Einbau von Filtern an seiner Quelle, die Eintrittswahrscheinlichkeit so stark reduzieren, dass die Risiko-Kennzahl auf dem akzeptablen Niveau anderer Risiken B und C liegt und damit „tragbar“ ist. Wenig sinnvoll wäre es, bei Risiko A die Eintrittswahrscheinlichkeit und dadurch die Risiko-Kennzahl, durch hohen Aufwand weit unter die Werte der Risiken B und C zu treiben. Sinnvoller ist es die Risiko-Kennzahlen aller drei Werte gleichermaßen zu senken. Derartige Ansätze zum Umgang mit Risiken lassen sich auf andere Bereiche wie Brandschutzbestimmungen oder auf die öffentliche Sicherheit übertragen.


Es mag im Einzelfall geradezu makaber klingen, dass man bestimmte Restrisiken akzeptieren soll. Doch da es bei solchen Fragen immer darum geht, die knappen öffentlichen Gelder sinnvoll auf die verschiedenen Zwecke zu verteilen, sollten wir systematisch vorgehen. Wir sollten Risiken bis zu einem gewissen Grad begrenzen, ein darüber hinausgehendes Restrisiko aber akzeptieren. Durch ein systematisch angewandtes übergreifendes Risikokonzept mit der Bewertung von Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung der Risiken erreicht eine Gesellschaft im Ergebnis insgesamt eine risikoärmere Lebensweise.


Der relevante Markt für die Entscheidungen der Politik

Wenn Unternehmen ihre Strategie festlegen, ist als Erstes auf die Frage zu antworten, was im Wettbewerb ihr relevanter Markt ist. Wer sind die Konkurrenten, welche Regeln gelten und welche Effekte wirken? Welche Produkte und Dienstleistungen konkurrieren? Dies gilt für den Absatzmarkt, aber gleichermaßen für die Märkte für die Beschaffung von Materialien und für die Rekrutierung von Mitarbeitern. Nur wenn ein Unternehmen die relevanten Märkte kennt, kann es zielgerichtet agieren.


Im Grundsatz ist das in der Politik nicht anders. Eine Regierung muss überlegen, welche Wirkungen ihre politischen Entscheidungen haben und wie die Entscheidungen anderer Länder auf ihr Land wirken. Andernfalls wird sie falsche Entscheidungen treffen. Im Falle Deutschlands stellt sich die Frage, ob die alte und vermutlich neue Bundesregierung diesen „relevanten Markt“ systematisch identifiziert und zur Grundlage ihrer Entscheidungen macht. Dieses Vorgehen ist zweckmäßig für die Politik als Ganzes und für viele Politikbereiche, etwa den Umweltschutz, die Außen- und Sicherheitspolitik, die Wirtschafts- und Finanzpolitik u. a. m.


Die Gesamtheit der politischen Entscheidungen der Bundesregierung kann man als „Angebot“ an die Bürger Deutschlands verstehen, wie diese ihr Leben gestalten können. Wenn jetzt die Regierung ein sehr unattraktives „Angebot“ macht und der „relevante Markt“ allein Deutschland umfasst, weil das Land „abgeriegelt“ ist, die Bürger also das Land nicht verlassen dürfen, hat dies in diesem Sinn keinen negativen Effekt. Wenn das Land aber offen ist und der relevante Markt die gesamte EU ist und andere Staaten umfasst, dann können die Bürger auf das schlechte „Angebot“ reagieren und das Land verlassen bzw. ausländische Personen können daraufhin entscheiden, nicht nach Deutschland zu kommen. Seit etlichen Jahren hat Deutschland eine Netto-Auswanderung an Akademikern. Also wird der „relevante Markt“ offenbar nicht erfolgreich bearbeitet.


Ein Fall aus dem Umweltschutz: In der EU besteht für die Stromerzeugung und einige Industriebranchen ein Handel mit Verschmutzungsrechten, den CO2-Emissionszertifikaten. Dabei definiert die EU einen maximalen erlaubten Ausstoß an CO2, der Jahr für Jahr um 1,7% reduziert wird; die Verschmutzungsrechte können gehandelt werden. Deutschland hat zusätzlich bei den Erneuerbaren Energien ein staatlich gesteuertes System etabliert, das Betreibern von Photovoltaik und Windkraft auf 20 Jahre Subventionen garantiert, wofür die Stromkunden über 25 Mrd. im Jahr zahlen müssen. Alle – extrem teuer erkauften – positiven CO2-Reduzierungseffekte des EEG-Systems in Deutschland verpuffen allerdings im EU-Emissionshandel. Das bedeutet, dass die deutsche Regierung hier – wissentlich – den falschen „relevanten Markt“, nämlich Deutschland definier – der richtige wäre die EU – mit der Folge, dass extrem viel Geld ausgegeben wird, der CO2-Ausstoß aber nicht sinkt.


Auch andere Effekte sind beim Umweltschutz zu beachten. Nehmen wir den Fall, dass ein deutscher Autozulieferer bei einem energieintensiven Produkt wie einem Aluminium-Druckgussteil wegen staatlich in die Höhe getriebener Energiekosten nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Sein Kunde kauft nicht national, sondern international ein. Er wird folglich seine Gehäuse in Zukunft nicht mehr beim deutschen Zulieferer beziehen, sondern bei einem Hersteller aus einem Land, in dem die Energiekosten niedriger sind als in Deutschland. Effekt Nr. 1 ist, dass die Wertschöpfung und die Arbeitsplätze der Gehäuseproduktion in Deutschland verloren gehen und ins Ausland abwandern. Effekt Nr. 2 kann sein, dass der ausländische Zulieferer wegen der niedrigeren Energiekosten einen im Vergleich zu Deutschland energieintensiveren Prozess anwendet und dass dann die Entscheidung der Bundesregierung nicht nur keine CO2-Reduzierung bewirkt, sondern sogar eine Erhöhung des CO2-Ausstoßes.


Ein Beispiel aus der Finanzpolitik: Vor den Verhandlungen zur neuen CDU/SPD-Koalition beschloss US-Präsident Trump eine Steuerreform, mit der die Steuern auf die Unternehmensgewinne in den USA von 35% auf 20% gesenkt werden. Es ist klar, dass dies erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben wird, die 30% Steuern zu zahlenhat. Doch die US-Steuerreform spielte in den CDU/SPD-Verhandlungen keine Rolle. Offenkundig gehören die USA auf dem Gebiet des internationalen Steuerwettbewerbs für die CDU/SPD-Regierung nicht zum „relevanten Markt“.


Die Beispiele zeigen – und es ließen sich viele weitere anführen – dass die Bundesregierung, ob bewusst oder unbewusst, die Frage, welches der relevante Markt für ihre Entscheidungen ist, nicht angemessen beantwortet.

Frauen im Unternehmen

Viele in unserer Gesellschaft sehen die Unternehmer* und Manager* äußerst negativ und machen ihnen massive Vorwürfe. Der Schwerste ist, dass die Unternehmer und Manager nur ans Geld denken, alles ihrer Gier unterordnen und keine Moral haben.

Ein weiterer Vorwurf ist, dass die Unternehmer und Manager – und hier sind nur die männlichen gemeint – Frauen systematisch benachteiligen. Viele Fälle werden angeführt. In einem Volk mit 80 Millionen Angehörigen gibt es natürlich für jeden Vorwurf Beispiele. Die Frage ist, sind das Einzelbeispiele oder ist das systematisch?

Zunächst fällt auf, dass die beiden Vorwürfe sich widersprechen. Denn wer schlechtere Männer besseren Frauen vorzieht, verdient tendenziell weniger Geld. Ein Unternehmer oder Manager, der nur ans Geld denkt, kann seine Mitarbeiter nicht nach dem Geschlecht diskriminieren, übrigens auch nicht nach Herkunft, dem Aussehen oder sonstiger Orientierung.

Nehmen wir mal an, den Unternehmern und Managern ist die Diskriminierung von Frauen wichtiger als alles andere. Die härtesten Kritikerinnen führen stets Männerbünde und -gemeinschaften an, die sich gemeinsam gegen Frauen geradezu verschwören. Demnach müssten sich die Männer vor Entscheidungen über Einstellungen, Beförderungen oder Gehaltserhöhungen in geheimen Vorbesprechungen oder informell verabreden, die Kandidatinnen zu benachteiligen. Solche Vorstellungen sind schon sehr abstrus und von der Praxis in den Betrieben weit entfernt.


Überdies liegt dieser Position die Perspektive zugrunde, dass das Geschlecht die einzig relevante Eigenschaft von Personen ist. Die Menschen, männlich und weiblich, in ihrer Vielfalt von Eigenschaften, Wissen, Erfahrungen, Verhalten und Handeln werden ausschließlich nach dem Geschlecht kategorisiert. Das ist im Übrigen ein strikt kollektivistischer Ansatz. Die Individuen werden nicht als einzelne Personen gesehen, sondern nur als Mitglied einer Gruppe, hier des Geschlechts.

Doch gibt es in den Unternehmen statt der „harten“ eben die „softe“ Benachteiligung von Frauen? Werden die männlichen Attribute wie Durchsetzungskraft, Entschlossenheit und Härte höher geschätzt als die weiblichen Attribute wie Konsensdenken, Einfühlsamkeit und Bescheidenheit, so dass die Männer dadurch – vielleicht nur unbewusst – bevorzugt werden? Hier mag es Hürden für Frauen geben. Allerdings ist auch klar, dass sich die Gesellschaft und die Unternehmen erheblich geändert haben und weiter ändern. Dasselbe gilt für die Frauen. Sie sind mutig geworden und selbstbewusst. Diese Veränderungen sind massiv, es braucht aber Zeit, bis sie sich in allen Bereichen durchsetzen.

In vielen Betrieben gibt es Frauenförderprogramme. Sie enthalten individuelle Unterstützung von Frauen durch Weiterbildung, Coaching und Frauengruppen. Darüber hinaus legen viele Unternehmen Frauenquoten für die Hierarchiestufen fest. Das kann ein Unternehmen im Rahmen seiner Eigenverantwortung tun. Allerdings wird dies fragwürdig, wenn die Frauenquote höher ist als der Anteil der Frauen an den relevanten Bewerbergruppe. Wer also bei 15% Frauenanteil bei Bewerbungen für Ingenieursstellen 25% Frauenanteil für die Einstellung vorgibt, begibt sich ins Dickicht neuer Diskriminierung.


Wie gesagt, wenn ein Unternehmen im Rahmen seiner Eigenverantwortung so vorgeht, ist das – bis zu einem gewissen Ausmaß – dessen Sache. Wenn der Staat aber Frauenquoten vorgibt, wie sie in Deutschland für die Aufsichtsräte etliche Unternehmen gelten, so ist das in dreifacher Hinsicht zu kritisieren. Erstens kann nicht eine vermeintliche Diskriminierung durch eine „kompensierende Diskriminierung“ ersetzt werden, zumal im Grundgesetz das Diskriminierungsverbot sich auf Individuen bezieht und nicht auf Gruppen. Zweitens ist eine Quote ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit. Und drittens äußert sich in den bürokratischen staatlichen Umsetzungsvorschriften der Quoten und der Frauenförderung eine Einstellung, bei der bürokratische Regeln als geeignetes Mittel angesehen werden zur Umgestaltung von Unternehmen. Die hohen Kosten und Ineffizienz dieser Bürokratie werden aber missachtet.


Es bleibt zu hoffen, dass in Politik und Regierung endlich wieder Praxisnähe und Augenmaß über kollektivistische Ideologie dominieren und dass in den Unternehmen der gesellschaftliche Wandel voranschreitet und Reste möglicher Benachteiligung endgültig verschwinden.


* Es sind stets männliche und weibliche Vertreter gemeint.


Kosten senken

Viele Branchen haben in unserer Marktwirtschaft einen scharfen Wettbewerb. Die Autobranche gehört zweifellos dazu. Im Geschäft mit den Erstausrüstern (also den Autoherstellern) müssen die Zulieferer große Stückzahlen zu einwandfreier Qualität liefern – und dann müssen sie mit den Marktpreisen klarkommen, was eine besondere Herausforderung ist. Wenn ein Zulieferer mit einem Erstausrüster einen Vertrag über die Lieferung einer Komponente schließt, so läuft dies anders ab, als ein Außenstehender meinen könnte. Denn zum einen vergehen zwischen Vertragsabschluss und Lieferstart gute drei Jahre. In dieser Zeit wird das Produkt ins Detail spezifiziert und entwickelt, es werden Muster gebaut, Tests auf Prüfständen und im Fahrzeug durchgeführt etc. Zum anderen weist die vereinbarte Preiskurve regelmäßig nach unten. Das heißt zum Beispiel, dass im Jahr nach dem Produktionsanlauf ein Preis bei 100 liegt, dann aber Jahr für Jahr fällt, auf 98 und 95 und 93 oder so ähnlich.

Klar, dass die Zulieferer diese Preiskurve bei ihren Kosten nachfahren müssen, sonst würde der Ertrag sinken. Die Zulieferer versuchen natürlich, diese Preissenkungen an ihre Lieferan-ten weiterzugeben, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Und sie müssen die Kosten ihrer eigenen Wertschöpfung senken. Da gibt es Effekte, die zusätzlich belasten, so die Lohnsteigerungen, steigende Energiepreise und anderes mehr. Und da gibt es Effekte, die helfen: der Stückzahl-Hochlauf führt über die Fixkosten-Allokation zu geringeren Stückkosten. Innovationen helfen, die Produkte einfacher zu gestalten, sie günstiger zu produzieren oder Prozesse zu verbessern, z. B. neue IT-technische Lösungen in der Logistik.

Den Rest der Kostensenkung müssen die Zulieferer durch ständige Verbesserungen bei allen Kostenfaktoren erreichen. Betrachten wir die Personalkosten. Am Anfang prüfen die Firmen, ob es Aufgaben gibt, auf die man verzichten kann. Solche Potenziale zu finden, ist ebenso attraktiv wie selten. Denn die Zulieferer haben solche Kostensenkungsprozesse mehrfach durchlaufen, die einfachen Lösungen wurden bereits gefunden. Man muss also immer stärker nach nicht naheliegenden Ansätzen suchen. Ein Beispiel ist die Flexibilität im Personaleinsatz. Oftmals gelten Regelungen, ob gesetzlich, tariflich oder betrieblich, die bei den Arbeitgebern Kosten verursachen, ohne dass das Geld in den Taschen der Mitarbeiter landet.

Ein Beispiel ist die Frist, in der Produktionsschichten angesetzt oder abgesagt werden können. Dies ist betrieblich geregelt. Erfährt ein Unternehmen von einem Minderbedarf eines Kunden erst zwei Tage vor dem betreffenden Produktionstermin, muss die Schichten aber eine Woche vorher gegenüber den Mitarbeitern absagen, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Produkte auf Halde zu produzieren. Dies führt zu höheren Lagerkosten oder auch zu Zusatzkosten für Ersatzverpackung u. a. m. Im Einzelfall sind die Zusatzkosten vielleicht nicht allzu hoch, geschieht dies häufiger, so summieren sich die Zusatzkosten doch zu erheblichen Beträgen.

Ein anderes Beispiel ist das Arbeitszeitgesetz. Es soll die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer gewährleisten, gilt im Übrigen – überraschend für ein Schutzgesetz - nicht für leitende Angestellte. Eine Regelung ist die Begrenzung der täglichen Arbeitszeit auf 10 Stunden, unter der Prämisse, dass über einen längeren Zeitraum ein Durchschnitt von 8 Stunden nicht überschritten wird. Auch für diese Regelung gibt es Ausnahmen. Sie sind aber nicht eindeutig geregelt und schaffen Unsicherheit in den Betrieben. Hinzu kommt, dass ein Verstoß gegen das Gesetz sogar als Straftat bewertet werden kann. In solchen Fällen kommen häufig erhebliche Mehrkosten zustande.

Ruhezeiten sind ein anderes Problem. Vorgeschrieben ist, dass nach der täglichen Arbeitszeit eine Ruhezeit von 11 Stunden einzuhalten ist. Wird beispielsweise ein Mitarbeiter des Facility-Managements nachts um 4:00 Uhr in die Firma gerufen, um eine Störung an einer Anlage zu beseitigen, und ist gegen 4:30 Uhr wieder daheim, so darf er erst 11 Stunden später, also um 15:30 Uhr seine normale Arbeit antreten. Er fällt also fast den ganzen Arbeitstag aus, fehlt etwa bei vereinbarten Terminen und stört dadurch die betrieblichen Abläufe. Auch den Mitarbeitern passt diese Regel häufig nicht, denn sie müssen die Fehlstunden zu ungünstigen Zeiten am Abend oder gar am Wochenende nachholen. Verwiesen sei auch auf das immer häufiger praktizierte Home-Office, bei dem es ohnehin sehr schwierig ist, die Arbeitszeiten in das enge Raster des Arbeitszeitgesetzes zu bringen.

Hier muss der Gesetzgeber praxisnah handeln und die Regeln an die sich ändernde Arbeitswelt und die Erfordernisse der Unternehmen anpassen. Er hat genug Spielraum dafür, ohne die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer zu beeinträchtigen.

Weiterer Textbaustein

Diese Beispiele zeigen, dass es das tägliche Brot der Unternehmen ist, ihre Kosten zu senken, indem Prozesse systematisch überprüft und verbessert werden. Es gibt viele Ansätze hierfür. Ein Beispiel ist das aus Japan stammende Verfahren der schlanken Produktion (Lean Production) bzw. der schlanken Verwaltung (Lean Administration). Was für die Unternehmen selbstverständlich ist, sollte auch bei den Behörden praktiziert werden. Denn diese haben den Auftrag, ihre Arbeit so effizient und effektiv wie möglich zu gestalten, um dadurch mit dem Steuergeld der Bürger wirtschaftlich zu haushalten. Leider ist hier noch Vieles im Argen.